Fischanatomie · Flossen
Fettflosse: welche Fische sie haben und wozu sie dient
Woran du sie erkennst
Die Fettflosse sitzt auf dem Rücken zwischen der Rückenflosse und der Schwanzflosse, also weit hinten. Sie ist deutlich kleiner als alle anderen Flossen, wirkt fleischig statt gespannt und lässt sich mit dem Finger umlegen — der auffälligste Unterschied zu den übrigen Flossen, die von harten oder gegliederten Strahlen aufgespannt werden. Echte Flossenstrahlen fehlen ihr; gestützt wird sie von embryonal angelegten Strukturen.
Damit ist sie eines der schnellsten Familienmerkmale überhaupt: Wer sie sieht, hat in deutschen Gewässern fast immer einen Lachsfisch vor sich. Das grenzt eine Forelle in einem Griff gegen jeden Weißfisch ab — und erspart beim Bestimmen den Umweg über Schuppenzahlen und Flossenformeln.
Welche Fische eine Fettflosse haben
Die Übersicht deckt die Arten ab, die in Deutschland regelmäßig am Haken landen. Sie beantwortet zugleich die Prüfungsfrage, welche Fische eine Fettflosse tragen:
| Art | Fettflosse | Familie |
|---|---|---|
| Bachforelle, Meerforelle, Seeforelle | ja | Lachsfische |
| Regenbogenforelle | ja | Lachsfische |
| Bachsaibling, Seesaibling | ja | Lachsfische |
| Lachs | ja | Lachsfische |
| Äsche | ja | Lachsfische |
| Renke (Maräne, Felchen) | ja | Lachsfische |
| Huchen | ja | Lachsfische |
| Stint | ja | Stinte |
| Zwergwels (Katzenwels) | ja | Katzenwelse |
| Wels (Waller) | nein | Echte Welse |
| Hecht | nein | Hechte |
| Zander, Flussbarsch, Kaulbarsch | nein | Barsche |
| Karpfen, Brasse, Döbel, Rotauge | nein | Karpfenfische |
| Aal | nein | Flussaale |
Achtung bei den Welsen: Der heimische Wels (Waller) hat keine Fettflosse, der eingebürgerte Zwergwels dagegen schon — die beiden lassen sich daran gut auseinanderhalten.
Wozu sie dient
Über die Aufgabe der Fettflosse wurde lange gestritten, und in älteren Büchern steht sie schlicht als funktionsloses Überbleibsel. Diese Deutung gilt als überholt. Unter dem Mikroskop lassen sich in der Flosse Nervenzellen nachweisen, und anders als alle übrigen Flossen wächst sie nach einer Verletzung nicht wieder nach — ein Hinweis auf Nervengewebe, das sich nur sehr langsam erneuert.
Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf ordnet die Flosse heute als Strömungssensor ein; eine Genprofil-Untersuchung an Salmoniden (Koll et al., 2020) stützt genau diese Funktion. Sie wäre damit ein Messfühler an der Stelle, an der die verwirbelte Strömung von der Rückenflosse auf die Schwanzflosse trifft — sinnvoll für Fische, die ihr Leben in bewegtem Wasser verbringen.
Fehlende Fettflosse: das Zeichen für einen Besatzfisch
Das Abtrennen der Fettflosse ist weltweit die häufigste Methode, um lachsartige Fische vor dem Besatz zu markieren. Der Eingriff ist am lebenden Fisch schnell erledigt, die Flosse wächst nicht nach, und beim Wiederfang genügt ein Blick: Fehlt sie, stammt der Fisch aus einem Besatz- oder Zuchtprogramm. Wiederansiedlungsprojekte für Lachs und Meerforelle messen so ihren Erfolg, und entwichene Zuchtfische lassen sich zuordnen.
Für dich am Wasser ist das mehr als eine Randnotiz. In Gewässern mit solchen Programmen hängt an dem Merkmal eine Entnahmeregel — mal darf nur der markierte Besatzfisch mitgenommen werden, mal ist der unmarkierte Wildfisch geschützt und muss zurück. Welche Richtung gilt, steht in den Bedingungen des jeweiligen Erlaubnisscheins; verlass dich nie auf die Regel aus einem anderen Gewässer. Ob und wie stark der Schnitt das Tier belastet, wird derzeit unter dem Gesichtspunkt des Tierwohls untersucht.
In der Fischerprüfung
Im Fachgebiet Fischkunde wird die Fettflosse als Familienmerkmal der Lachsfische abgefragt — und als Beispiel für eine Flosse ohne Flossenstrahlen. Wer die Flossen aufzählen soll, denkt an sie oft zuletzt: Rücken-, Fett-, Schwanz-, After-, Bauch- und Brustflosse, wobei nur Bauch- und Brustflossen paarig auftreten.
Alle Fragen des Fachgebiets Fischkunde lassen sich im Prüfungstrainer nach Bundesland üben.
Häufige Fragen
Welche Fische haben eine Fettflosse?
In Deutschland vor allem die Lachsfische: Bachforelle, Meerforelle, Seeforelle, Regenbogenforelle, Saibling, Lachs, Äsche, Renke und Huchen. Dazu kommen der Stint und der eingebürgerte Zwergwels. Hecht, Zander, Barsch, Karpfenfische, Aal und der heimische Wels haben keine.
Wozu dient die Fettflosse?
Sie galt lange als funktionslos. Heute gilt sie als Strömungssensor: In der Flosse wurden Nervenzellen nachgewiesen, und eine Genprofil-Untersuchung an Salmoniden von 2020 stützt diese Funktion. Anders als alle anderen Flossen wächst sie nach einer Verletzung nicht nach.
Warum fehlt manchen Forellen die Fettflosse?
Weil sie vor dem Besatz abgetrennt wurde. Der Fettflossenschnitt ist die weltweit häufigste Markierung für lachsartige Fische: Fehlt die Flosse, stammt der Fisch aus einem Besatz- oder Zuchtprogramm. In manchen Gewässern hängt daran eine Entnahmeregel — sie steht in den Bedingungen des Erlaubnisscheins.
Hat der Wels eine Fettflosse?
Der heimische Wels (Waller) hat keine. Der eingebürgerte Zwergwels dagegen schon — daran lassen sich die beiden gut unterscheiden.
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- Prüfungstrainer — Fischkunde üben
Quellen: Fettflosse — Wikipedia (Bau ohne echte Flossenstrahlen, Verbreitung, Funktionsdebatte)Forschungsinstitut für Nutztierbiologie Dummerstorf — Fettflossenfunktion bei Salmoniden (Strömungssensor, Koll et al. 2020, Tierwohl) · Stand 9. August 2026.