Fisch-Lexikon
Zwergwels (Katzenwels)
Der Zwergwels ist ein eingeschleppter nordamerikanischer Katzenwels, der sich in nährstoffreichen Stillgewässern massenhaft vermehren kann. Hinter dem Namen stecken zwei Arten — der Braune und der Schwarze Zwergwels. Der Schwarze steht seit dem 2. August 2022 auf der EU-Unionsliste invasiver Arten.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Wissenschaftlich | Ameiurus nebulosus & Ameiurus melas |
| Gruppe | Raubfisch |
| Größe | Meist 15–30 cm; ausnahmsweise um 40–50 cm und rund 2 kg. |
| Laichzeit | Frühjahr bis Frühsommer. Auffällig ist die **Brutpflege**: Die Elterntiere bewachen Gelege und Jungfischschwarm. Zusammen mit früher Geschlechtsreife, hoher Nachkommenzahl und geringem Feinddruck erklärt das, warum ein Bestand binnen weniger Jahre explodieren kann. |
| Schonzeit / Mindestmaß | keine landesrechtliche Regelung — siehe unten |
Merkmale
Gedrungener, schuppenloser Körper mit breitem, flachem Kopf und großem Maul. Das sicherste Merkmal sind die acht Barteln (vier Paare) — der heimische Wels trägt nur sechs. Dazu kommt eine Fettflosse ohne Flossenstrahlen zwischen Rücken- und Schwanzflosse, die dem Waller fehlt. Rücken- und Brustflossen tragen je einen kräftigen Stachelstrahl, der beim Abhaken schmerzhafte Stiche setzt. Die beiden Arten zu trennen ist schwer: Der Schwarze Zwergwels hat eine kürzere Afterflosse (etwa 17–21 Strahlen gegenüber 21–24) und einen hinten nur schwach gesägten Brustflossenstachel, der beim Braunen kräftig gesägt ist. In behördlichen Erfassungen wird zwischen beiden meist gar nicht unterschieden.
Lebensraum
Nährstoffreiche, oft trübe Stillgewässer und langsam fließende Abschnitte — Altarme, Kanäle, Weiher, Baggerseen. Der Zwergwels ist außergewöhnlich zäh: Er verträgt Temperaturen von 0 bis 35 °C, sauerstoffarmes Wasser und hohe Kohlendioxidgehalte und hält sich dort, wo heimische Arten längst aufgeben. Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland liegen im Einzugsgebiet von Elbe und Oder.
Nahrung: Allesfresser — Insektenlarven, Würmer, Schnecken, Krebstiere, dazu Laich und Jungfische. Genau dieser Zugriff auf Laich und Brut macht ihn für heimische Bestände zum Problem.
Verwechslungsgefahr
Mit dem heimischen Wels (Waller), vor allem bei kleinen Exemplaren. Zwei Merkmale trennen sie sicher: acht Barteln und eine Fettflosse beim Zwergwels, sechs Barteln und keine Fettflosse beim Waller. Untereinander sind Brauner und Schwarzer Zwergwels am Wasser kaum zuverlässig zu bestimmen — bei einem Fang solltest du deshalb vom strengeren Fall ausgehen.
Zwergwels angeln
Zwergwelse beißen bodennah und fast ganzjährig, am besten in der Dämmerung und nachts. Fängig sind Wurm, Made, Fischfetzen, Käse- oder Teigköder an einer einfachen Grundmontage mit kleinem Haken. Wo ein Bestand dicht steht, folgt Biss auf Biss. Beim Abhaken vorsichtig anfassen: Die Stachelstrahlen in Rücken- und Brustflosse stechen tief; greif den Fisch von hinten so, dass die Stacheln zwischen den Fingern liegen, und nimm eine Lösezange.
Was rechtlich gilt
Zwergwelse haben in den Landesfischereiverordnungen weder Schonzeit noch Mindestmaß. Entscheidend ist etwas anderes: Der Schwarze Zwergwels (Ameiurus melas) steht seit dem 2. August 2022 auf der Unionsliste zur EU-Verordnung 1143/2014 über invasive gebietsfremde Arten. Damit sind Halten, Züchten, Transportieren, Inverkehrbringen und vor allem das Freisetzen verboten. Die Management- und Maßnahmenblätter der Länder sehen ausdrücklich vor, dass gefangene Zwergwelse entnommen werden; der Braune Zwergwels wird naturschutzfachlich ähnlich invasiv bewertet und in dieselben Maßnahmen einbezogen. Ob und wie du entnehmen musst, ergibt sich aus deinem Landesfischereirecht und der Gewässerordnung — sieh dort nach, bevor du einen Zwergwels zurücksetzt. Tierschutzrecht gilt weiter: Entnommene Fische sind unverzüglich und fachgerecht zu töten, und die Länderblätter stellen klar, dass die Verwertung der Entsorgung vorzuziehen ist. Transportiere niemals einen lebenden Zwergwels in ein anderes Gewässer. Reinige und trockne Kescher, Wathose und Hälterwanne vor einem Gewässerwechsel, damit weder Fischbrut noch Krankheiten verschleppt werden.
Ohne Landesregelung heißt nicht ohne Regeln: Die Gewässerordnung deines Angelgewässers kann eigene Mindestmaße, Schonzeiten oder Entnahmegrenzen festlegen — sie geht dem Landesrecht im Zweifel vor, soweit sie strenger ist. Maßgeblich ist immer deine Erlaubniskarte.
Weiter im Lexikon
Für die Arten mit eigener Schonzeit und eigenem Mindestmaß führt das Fisch-Lexikon ausführliche Angel-Guides. Ob dein Zielfisch heute entnommen werden darf, beantwortet der Fang-erlaubt-Checker; alle Regeln nach Bundesland stehen in der Schonzeiten-Übersicht.