Die Karausche gilt als der zähe Bauernkarpfen unter den Friedfischen: Sie lebt in verkrauteten Tümpeln, Torfstichen und Dorfweihern, in denen viele andere Arten längst aufgeben. Gefangen wird sie fein und leise – mit Pose, kleinem Haken und wenig Futter, denn ihre Bisse fallen zaghaft aus. Wichtig vorab: In Bayern, Berlin, Hessen und Rheinland-Pfalz ist die Karausche ganzjährig geschont; dort ist gezieltes Beangeln unzulässig, und Beifänge gehören schonend zurück ins Wasser.
Größe: meist 15 bis 35 cm, in großen, nahrungsreichen Gewässern bis rund 50 cm, maximal etwa 64 cmLaichzeit: Mai bis Juli, ab etwa 14 bis 18 °C WassertemperaturNahrung: Zuckmückenlarven, Eintagsfliegenlarven, Wasserflöhe, Würmer und Schlammschnecken, dazu Pflanzenteile und Detritus
Beste Zeit zum Karauscheangeln
Die Hauptsaison läuft von Mai bis Oktober, sobald sich das Flachwasser über etwa 14 °C erwärmt hat. Nach dem Laichgeschäft im Frühsommer fressen die Fische besonders ausdauernd, Juni und Juli liefern deshalb oft die konstantesten Fänge. Die besten Zeitfenster liegen in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung; an trüben, warmen Tagen beißen Karauschen auch mittags. Ab November ziehen sie sich in tiefere Bereiche und in den Schlamm zurück und stellen das Fressen weitgehend ein. Beachte dabei die Schonzeiten in Sachsen (01.02.–30.06.) und Thüringen (01.04.–31.05.) sowie die ganzjährige Schonung in Bayern, Berlin, Hessen und Rheinland-Pfalz.
Wo steht der Karausche?
Ränder von Seerosenfeldern, wo die Fische zwischen den Stängeln nach Insektenlarven gründeln.
Schilf- und Rohrkolbenkanten in 0,5 bis 1,5 m Wassertiefe, besonders dort, wo der Grund weich bleibt.
Lücken und Gassen im Unterwasserkraut, die als natürliche Futterplätze und Fluchtwege dienen.
Schlammige Flachzonen, in denen aufsteigende Blasenketten gründelnde Fische verraten.
Verlandende Altarme, Torfstiche und Teichecken mit viel organischem Bodensatz.
Uferabschnitte unter überhängenden Büschen und Bäumen, wo Anflugnahrung ins Wasser fällt.
Die windzugewandte Uferseite an warmen Tagen, weil dort Plankton und Futterpartikel zusammengetrieben werden.
Zuläufe, Gräben und Rohrmündungen nach Regen, die frisches Wasser und Nahrung einspülen.
Methoden zum Karauscheangeln
Feines Posenangeln im Flachwasser
Das Posenangeln ist die Standardmethode auf Karauschen, weil du den Köder damit zentimetergenau über weichem Schlamm anbieten kannst. Nimm eine 3,90-m-Matchrute oder eine 5 bis 7 m lange Stipprute mit weicher Spitze und fische auf 0,8 bis 1,5 m Wassertiefe direkt an der Kraut- oder Schilfkante. Eine schlanke Insert-Waggler-Pose mit 0,5 bis 1,5 g Tragkraft reicht in der Regel; die Hauptbebleiung sitzt am Posenfuß, im unteren Drittel folgen nur zwei bis drei kleine Schrote als Streubebleiung. Lote so aus, dass der Köder knapp auf dem Grund liegt oder wenige Zentimeter darüber schwebt. Füttere sparsam an: eine Handvoll feines, dunkles Grundfutter mit einigen Maden und Maiskörnern, danach alle zehn bis fünfzehn Minuten eine walnussgroße Kugel nachlegen. Bewege dich leise am Ufer, denn Karauschen reagieren empfindlich auf Trittschall. Bisse zeigen sich als Zittern, langsames Wandern oder Steigen der Pose – schlage erst an, wenn die Pose sauber untertaucht oder deutlich aufsteigt.
Liftmethode an Kraut- und Seerosenkanten
Die Liftmethode stammt aus dem klassischen Schleien- und Karauschenangeln und spielt ihre Stärke direkt an der Krautkante aus. Du fischst eine tragfähige, längliche Pose und legst die gesamte Bebleiung als ein einzelnes Schrot etwa fünf bis zehn Zentimeter über dem Haken auf den Grund. Anschließend überlotest du um 20 bis 30 Zentimeter, sodass die Pose leicht schräg steht und die Schnur zwischen Schrot und Pose durchhängt. Hebt die Karausche den Köder samt Schrot an, verliert die Pose ihren Ballast und steigt sichtbar aus dem Wasser – dieser Hebebiss ist das Signal zum Anschlag. Der Vorteil liegt im geringen Widerstand: Der Fisch nimmt den Köder auf und behält ihn länger im Maul. Angle damit auf kurze Distanz von 3 bis 10 Metern, halte die Rute in der Hand und schlage zügig an, sobald die Pose flach auf dem Wasser liegt oder untertaucht. Für Mais und Made passen Haken der Größe 12 bis 16, für einen ganzen Mistwurm Größe 10.
Leichtes Grundangeln mit Feeder oder Zitterspitze
Bei Wind, Wellen oder wenn die Fische etwas weiter draußen stehen, ist die feine Grundmontage die bessere Wahl. Nimm eine weiche Picker- oder Feederrute von 2,70 bis 3,30 m mit Wechselspitzen ab etwa 0,5 oz, damit die zaghaften Zupfer überhaupt sichtbar werden. Ein kleiner Futterkorb von 15 bis 25 g oder ein 10-g-Laufblei reicht in Kleingewässern völlig aus. Fülle den Korb mit klebrigem, feinem Grundfutter, in das du Maden, Caster und wenige Maiskörner mischst, und lege drei bis vier Startkörbe auf denselben Punkt. Danach wird alle zehn Minuten nachgelegt, auch während einer Beißpause, damit sich der Futterplatz aufbaut. Karauschen melden sich oft mit einem langen, langsamen Ziehen der Spitze, das mehrere Sekunden anhält – hier schlägst du am besten erst an, wenn die Spitze durchgehend Zug hält. Kurze, hektische Zupfer lässt du dagegen laufen, sie stammen meist von Kleinfisch.
Köder für Karausche
Karauschen haben ein kleines, endständiges Maul und nehmen den Köder betont vorsichtig auf. Kleine, weiche Naturköder auf feindrähtigen Haken der Größen 12 bis 18 fangen deshalb am zuverlässigsten. Mais und Teig sortieren zusätzlich einen Teil des Kleinfischs aus, während Made und Wurm auch an zähen Tagen noch Bisse bringen.
Imitatköder: Kunstmais und Kunstmaden — Kunstmais und Kunstmaden aus weichem Schaumstoff oder Gummi sind die künstlichen Köder, die beim Karauschenangeln wirklich Sinn ergeben. Ihr Vorteil liegt im Auftrieb: Ein einzelnes Kunstmaiskorn hebt einen Haken der Größe 12 gerade so vom Schlamm ab und hält ihn sichtbar über der Faulschlammschicht. Kombiniere ein Imitat mit ein oder zwei echten Maden am selben Haken, dann stimmt die Balance zwischen Auftrieb und Duftspur. Auf stark verkrauteten Böden steuerst du die Schwebehöhe über die Vorfachlänge und lässt den Köder gezielt ein bis drei Zentimeter über dem Kraut stehen. Als Nebeneffekt bleibt der Köder auch nach Fehlbissen und Kleinfischattacken am Haken, was gerade beim Feederangeln lange Standzeiten ermöglicht.
Made und Pinkie — Die Made ist der Allroundköder auf Karauschen und funktioniert vom Frühjahr bis in den Herbst. Ziehe ein bis drei Maden am Kopfende auf einen feindrähtigen Haken der Größe 14 bis 18, damit sie sich lebhaft bewegen. Kleinere Pinkies wirken noch unauffälliger und bringen an schwierigen Tagen die entscheidenden Bisse, ziehen allerdings auch mehr Rotaugen und Ukelei an. Als Futterzugabe reichen zehn bis zwanzig Maden pro Kugel Grundfutter, denn eine übersättigte Stelle sorgt schnell für Beißpausen. An warmen Tagen lohnt es sich, die Maden vorher zu kühlen, dann bleiben sie am Haken deutlich länger aktiv. Wechsle den Köder nach jedem Fehlbiss – ausgelutschte Maden lassen vorsichtige Karauschen konsequent liegen.
Mistwurm und Tauwurmstück — Der Mistwurm ist der klassische Karauschenköder aus der Zeit, als der Fisch noch Bauernkarpfen hieß. Sein kräftiger Duft und die ständige Bewegung wirken besonders im trüben, angewärmten Wasser des Frühsommers und nach Regen. Fische einen kompletten kleinen Mistwurm auf Haken 12 oder ein zwei Zentimeter langes Stück Tauwurm auf Haken 10 bis 12, wobei die Hakenspitze frei aus dem Köder ragen sollte. Wurm selektiert tendenziell die größeren Fische im Schwarm und ist damit erste Wahl, wenn du gezielt auf kapitale Exemplare gehst. Gib zerschnittene Wurmstücke sparsam ins Futter, das verstärkt die Duftspur am Platz. Rechne bei Wurm mit langsam ziehenden Bissen und gib dem Fisch zwei bis drei Sekunden Zeit, bevor du anschlägst.
Karauschen nehmen den Köder oft nur auf und heben ihn ein Stück an, statt ihn abzuziehen. Deine Montage sollte deshalb möglichst widerstandsarm sein und jede kleine Bewegung sichtbar machen. Zwei Aufbauten decken fast alle Situationen in Kleingewässern ab: die Liftmontage für kurze Distanz und eine leichte Laufblei- oder Feedermontage für alles Weitere.
Schnur: Für Kleingewässer reicht eine monofile Hauptschnur von 0,16 bis 0,20 mm, die genug Reserve für Kraut und gelegentliche Beifänge wie Schleie oder Karpfen bietet. Das Vorfach fällt mit 0,12 bis 0,16 mm eine Nummer feiner aus, damit im Hänger nur der Haken verloren geht. Bei sehr vorsichtigen Fischen im klaren Wasser bringt ein Fluorocarbon-Vorfach von 0,14 mm zusätzliche Bisse. Geflochtene Schnur bleibt hier meist zu Hause, weil ihre geringe Dehnung feindrähtige Haken bei zaghaften Bissen ausschlitzen lässt.
Was ist der Unterschied zwischen Karausche und Giebel?
Das verlässlichste Merkmal am lebenden Fisch ist die Rückenflosse: Bei der Karausche ist die Oberkante nach außen gewölbt (konvex), beim Giebel verläuft sie gerade bis leicht eingebuchtet. Dazu kommen die Färbung (goldbronzen bis messinggelb bei der Karausche, silbrig-grau beim Giebel), die Kiemenreusendornen am ersten Kiemenbogen (Karausche etwa 23 bis 33, Giebel meist 37 bis 55) und ein dunkler Fleck am Schwanzstiel, den junge Karauschen zeigen und der mit dem Alter verblasst. Beim ausgenommenen Fisch ist das Bauchfell der Karausche hell, beim Giebel fast schwarz. Weil beide Arten hybridisieren, gilt bei Zweifeln: als Karausche behandeln und zurücksetzen.
Welcher Köder fängt Karauschen am besten?
Made, Mistwurm, Dosenmais und Brotflocke decken praktisch alle Situationen ab. Im kühlen Frühjahr und im Herbst führen tierische Köder, also ein bis drei Maden oder ein kleiner Mistwurm auf Haken 12 bis 16. Im warmen Sommer holt Mais auf und selektiert zusätzlich die größeren Fische, weil Ukelei und kleine Rotaugen damit wenig anfangen können. Brotflocke ist der Geheimtipp für flaches, warmes Wasser, weil sie langsam absinkt und über dem Schlamm schwebt. Entscheidend sind in allen Fällen ein kleiner, feindrähtiger Haken und ein sparsamer Futtereinsatz, denn eine übersättigte Stelle sorgt schnell für Beißpausen.
Ist die Karausche geschützt und darf man sie beangeln?
Das hängt vom Bundesland ab. In Bayern, Berlin, Hessen und Rheinland-Pfalz ist die Karausche ganzjährig geschont – dort ist gezieltes Beangeln unzulässig, und Beifänge setzt du sofort und schonend zurück. In Sachsen gilt eine Schonzeit vom 1. Februar bis 30. Juni bei einem Mindestmaß von 15 cm, in Thüringen eine Schonzeit vom 1. April bis 31. Mai, ebenfalls bei 15 cm Mindestmaß. Die übrigen Bundesländer führen die Karausche derzeit ohne eigene Schonzeit; dort geben Pächter, Verein und Gewässerordnung den Rahmen vor. Die aktuellen Details findest du unter /schonzeit/karausche/ und /mindestmass/karausche/.
Kann man Karauschen essen?
Ja. Die Karausche war als Bauernkarpfen jahrhundertelang ein geschätzter Speisefisch und lässt sich wie ein kleiner Karpfen zubereiten: gebraten, gebacken oder geräuchert. Ihr Fleisch ist weiß und fein, enthält allerdings viele Y-Gräten, weshalb sich Schröpfschnitte lohnen. Aus schlammigen, warmen Kleingewässern kann der Geschmack erdig ausfallen – ein paar Tage Hälterung in klarem Wasser oder eine kräftige Marinade helfen. Wichtiger als die Küche bleibt die Bestandslage: Die Art ist in Deutschland deutlich rückläufig, deshalb ist ein maßvoller Umgang mit der Entnahme sinnvoll. In den ganzjährig geschonten Ländern gehört jeder Fisch zurück ins Wasser.
Wo kannst du Karausche angeln?
53 erfasste Angelgewässer führen Karausche — hier eine Auswahl quer durch die
Regionen, jeweils mit vorkommenden Arten, nötiger Angelkarte, den Regeln vor Ort und dem
tagesaktuellen Beiß-Index: