Zum Inhalt springen

Angeln · Praxis

Stint (Osmerus eperlanus), Seitenansicht — Stint angeln
Stint · Osmerus eperlanus

Stint angeln: Methoden, Köder & Montage

Der Stint (Osmerus eperlanus) ist ein kleiner, silbrig glänzender Schwarmfisch aus der Verwandtschaft der Lachsartigen, der den Großteil des Jahres in Küstengewässern und Ästuaren verbringt und im Spätwinter zum Laichen in die Unterläufe von Elbe, Weser und Ems aufsteigt. Genau dieser Aufstieg macht ihn für Angler interessant: Wenige Wochen lang stehen große Schwärme in Wurfweite vom Ufer, und die Fischerei mit dem Paternoster ist so einfach, dass sie sich auch für Einsteiger und für Kinder eignet. Erkennen wirst du ihn schon am Geruch – frisch gefangener Stint riecht deutlich nach frischen Gurken, weshalb er im Norden "Gurkenfisch" heißt. Vor dem ersten Wurf lohnt der Blick in die Landesverordnung: In Brandenburg ist der Stint ganzjährig geschont, in Berlin (01.02.–30.04.) und Mecklenburg-Vorpommern (01.03.–30.04.) gelten Schonzeiten; die vollständige Übersicht findest du unter /schonzeit/stint/ und /mindestmass/stint/.

Größe: meist 15–20 cm, häufig 10–18 cm, maximal rund 30 cm (Einzelnachweise bis 45 cm); der Binnenstint bleibt bei etwa 10–12 cm Laichzeit: Ende Februar bis April, örtlich bis Mai, ab etwa 9 °C Wassertemperatur Nahrung: Zooplankton und kleine Planktonkrebse, Bodentiere, größere Stinte auch Jungfische einschließlich der eigenen Art

Beste Zeit zum Stintangeln

Die Stintsaison ist kurz und liegt im Kern zwischen Mitte Februar und Anfang April, wenn die Laichschwärme aus Nord- und Ostsee in die Süßwasserzuflüsse einwandern. Der Startschuss hängt vor allem an der Wassertemperatur: Erfahrungsgemäß kommen die ersten Fänge, sobald die Elbe rund 6 bis 7 Grad erreicht, das eigentliche Ablaichen setzt ab etwa 9 Grad ein. Milde Winter ziehen den Aufstieg nach vorn, kalte Wetterlagen und Eisgang verschieben ihn um zwei bis drei Wochen nach hinten. Die absolute Hochphase an einem einzelnen Abschnitt dauert oft nur fünf bis sieben Tage – entsprechend hoch ist in dieser Zeit das Anglerandrang an den bekannten Uferstrecken. Wer flexibel ist, verfolgt die Fangmeldungen aus den Vereinen und Angelläden entlang der Elbe und fährt genau dann, wenn der Schwarm die eigene Strecke erreicht hat.

Wo steht der Stint?

Methoden zum Stintangeln

Paternoster-Angeln vom Ufer im Tidefluss

Die Standardmethode an Elbe und Weser ist das Auswerfen und pumpende Einholen eines Paternosters. Du fischst mit einer rund 3 Meter langen Steck- oder Telerute mit 60 bis 100 Gramm Wurfgewicht und einer Rolle der Größe 2500 bis 4000. Am Ende der Montage hängt ein birnenförmiges Blei von 50 bis 100 Gramm, darüber sitzen die kurzen Seitenarme mit den kleinen, verzierten Haken. Wirf schräg gegen die Strömung aus, lass das Blei bis auf Grund sinken und zähle dabei die Sekunden mit – so weißt du später, in welcher Tiefe der Schwarm steht. Danach straffst du die Schnur und holst in kurzen, pumpenden Bewegungen ein: anheben, absenken, Schnur aufnehmen. Die Bisse spürst du als hartes, kurzes Zupfen; der Anhieb erübrigt sich meist, weil sich die Fische beim Zug selbst haken. Bleibt es ruhig, variierst du Wurfweite und Einholtiefe stufenweise, bis du den Schwarm findest. In guten Phasen sitzt an jedem zweiten bis dritten Wurf ein Fisch, häufig auch zwei gleichzeitig. Achte darauf, deine Rute in der Reihe am Ufer im gleichen Rhythmus wie deine Nachbarn zu führen – das hält die Montagen frei voneinander.

Posenangeln an Kaimauern, Sperrwerken und Anlegern

In Häfen, an Sperrwerken und an Anlegern steht das Wasser deutlich ruhiger als in der offenen Stromrinne, und dort spielt eine feine Posenmontage ihre Stärken aus. Eine 4 bis 5 Meter lange Kopf- oder Matchrute reicht meist aus, um vom Bollwerk aus über die Steinschüttung hinweg zu fischen. Eine schlanke Pose mit 2 bis 4 Gramm Tragkraft trägt zwei bis drei kleine Haken an kurzen Seitenarmen und wird zunächst auf 1,5 bis 2 Meter Tiefe eingestellt; von dort tastest du dich in 30-Zentimeter-Schritten tiefer. Beködert wird mit einem Madenpaar, einem kurzen Wurmstück oder einem schmalen Heringsfetzen. Die Schwärme ziehen an Kaikanten oft in Wellen vorbei: Fünf Minuten passiert nichts, dann folgen zehn schnelle Bisse hintereinander. Deshalb hältst du die Montage konsequent im Wasser und legst nach jedem Fisch zügig wieder ab. In Husum und in den Bremer Innenstadtabschnitten ist das die angenehmste Methode, weil du ohne schweres Blei auskommst und lange Würfe entfallen.

Senke und Handhamen – die regionale Sonderform

Neben der Angel hat sich an Elbe und Weser das Fischen mit der Senke, also einem an vier Bügeln aufgespannten Netz, als traditionelle Form der Stintfischerei gehalten. Die Senke wird vom Steg, vom Bollwerk oder vom Boot aus abgesenkt, einige Minuten stehen gelassen und dann zügig gehoben, sobald ein Schwarm über das Netz zieht. Für die Praxis ist entscheidend, dass es sich um ein eigenständiges Fischereigerät handelt und die Handangel-Erlaubnis dafür nicht ausreicht: In Bremen brauchst du zusätzlich einen Senkschein, andere Länder binden den Einsatz an eine gesonderte Genehmigung oder beschränken ihn während der Stintlaichzeit. Kläre die Vorgaben deshalb vor der Tour bei der zuständigen Fischereibehörde oder beim Gewässerbewirtschafter und lass dir die Erlaubnis schriftlich geben. Wo die Senke zulässig ist, liefert sie in der Hochphase sehr schnell eine Mahlzeit, weil sie den ganzen Schwarmquerschnitt erfasst statt einzelne Fische. Nimm nur so viel mit, wie du in deiner Küche auch wirklich verarbeitest.

Köder für Stint

Der Stint jagt im Freiwasser nach Zooplankton, kleinen Krebstieren und Jungfischen und reagiert deshalb vor allem auf kleine, bewegte und glänzende Reize. In der Praxis führt das zu einer klaren Zweiteilung: Die Haken am Paternoster tragen künstliche Dressings aus Fischhaut, Flitter und Perlen, und wer die Trefferquote steigern will, setzt einen winzigen Naturköderfetzen obendrauf. Die Größe entscheidet mehr als das Material – große Köderbrocken passen schlecht in das zwar bezahnte, aber kleine Maul. Frische Köder mit Eigenbewegung oder deutlichem Duft bringen spürbar mehr Bisse als lange gelagerte Ware.

Alle Köder mit Details: die besten Köder zum Stintangeln.

Montage & Vorfach

Stintmontagen sind bewusst einfach gehalten: ein Blei am Ende, darüber ein bis zwei kurze Seitenarme mit kleinen dressierten Haken – mehr braucht es nicht. Entscheidend sind die Hakengröße und die zulässige Hakenzahl, denn viele fertig gebundene Heringspaternoster tragen fünf Haken und damit mehr, als das jeweilige Landesrecht erlaubt. Zwei Aufbauten decken die Praxis vollständig ab: das Wurf-Paternoster für den Tidefluss und eine leichte Posenmontage für Hafen und Anleger.

Schnur: Für die Wurffischerei an der Elbe hat sich eine monofile Hauptschnur von 0,30 bis 0,35 Millimetern bewährt, weil sie die Belastung schwerer Bleie beim Auswerfen abfedert und Hänger an Steinpackungen verzeiht. Wer die zarten Bisse direkter spüren will, greift zu 0,12 bis 0,17 Millimeter geflochtener Schnur und schaltet eine mono Schlagschnur von rund drei Rutenlängen vor. Vorfächer und Seitenarme bleiben mit 0,18 bis 0,30 Millimetern deutlich dünner als die Hauptschnur, damit im Hänger die Montage und nicht die ganze Schnur reißt. Im Hafen und am Anleger reichen 0,20 bis 0,22 Millimeter monofil vollkommen aus.

Rigs Schritt für Schritt: Stint-Montage im Detail. Den passenden Knoten findest du im Knoten-Trainer.

Häufige Fragen

Wann beginnt die Stintsaison an der Elbe?

Die Angelsaison auf Stint läuft im Kern von Mitte Februar bis Anfang April. Der genaue Start hängt an der Wassertemperatur: Die ersten Fänge kommen meist, sobald die Elbe rund 6 bis 7 Grad erreicht, also je nach Winterverlauf zwischen Ende Februar und Anfang März. Das Ablaichen selbst setzt ab etwa 9 Grad ein und dauert bis in den April. Milde Winter ziehen den Aufstieg um zwei bis drei Wochen nach vorn, kalte Wetterlagen verschieben ihn entsprechend nach hinten. An einer einzelnen Uferstrecke dauert die Hochphase oft nur fünf bis sieben Tage – lohnend ist deshalb, die aktuellen Fangmeldungen aus Vereinen und Angelläden entlang der Elbe zu verfolgen.

Wo kann man Stinte angeln?

Die bekanntesten Strecken liegen an der Tideelbe im Hamburger Osten: Altengamme, Kirchwerder und der Zollenspieker, dazu die Buhnen bei Stove und Hoopte auf der niedersächsischen Seite sowie der Bereich unterhalb der Staustufe Geesthacht. Weiter stromab konzentrieren die Mündungen von Este, Lühe und Schwinge im Alten Land die Schwärme, und an den Kaimauern von Wedel, Glückstadt und Brunsbüttel fischst du direkt über tiefem Wasser. In der Tideweser reichen die Stinte bis in die Bremer Innenstadt hinauf. An der Nordseeküste ist der Husumer Hafen ein eigener Hotspot. Für viele Strecken brauchst du neben dem Fischereischein eine Gast- oder Tageskarte des zuständigen Vereins.

Warum riecht der Stint nach Gurke?

Der Stint bildet flüchtige Duftstoffe, die dem Aroma frisch aufgeschnittener Gurken sehr ähnlich sind – daher die norddeutschen Beinamen "Gurkenfisch" und "Stinkfisch". Mit der Nahrung hat das nichts zu tun; es ist ein artspezifisches Merkmal, das schon am frisch gefangenen Fisch auffällt und im geschlossenen Auto oder in der Kühlbox schnell dominant wird. Der Geruch ist zugleich ein praktisches Frischemerkmal: Je deutlicher die Gurkennote, desto frischer der Fisch. Für Raubfischangler ist genau diese Duftspur interessant, weshalb zügig eingefrorene Stinte als Köderfisch auf Hecht und Zander sehr geschätzt sind.

Gibt es beim Stint eine Schonzeit oder ein Mindestmaß?

Ja, in drei Bundesländern. In Brandenburg ist der Stint ganzjährig geschont. Berlin schützt ihn vom 01.02. bis 30.04., Mecklenburg-Vorpommern vom 01.03. bis 30.04. Beim Mindestmaß ist die Lage bundesweit einheitlich: Ein Mindestmaß schreibt derzeit kein Land vor. Eine Berliner Besonderheit verdient Aufmerksamkeit – dort gilt der Schutz dem Flussstint, während der Binnenstint ausdrücklich frei ist. Weil beide Formen im Fang kaum zu unterscheiden sind, behandelst du in Berlin während der Schonzeit sicherheitshalber jeden Stint als geschont. In Küsten- und Tidegewässern kommt zusätzlich die jeweilige Küstenfischereiverordnung zum Tragen. Details findest du unter /schonzeit/stint/ und /mindestmass/stint/.

Wo kannst du Stint angeln?

1 erfasste Angelgewässer führen Stint — hier eine Auswahl quer durch die Regionen, jeweils mit vorkommenden Arten, nötiger Angelkarte, den Regeln vor Ort und dem tagesaktuellen Beiß-Index:

Alle Gewässer auf der interaktiven Karte ansehen →

Weiterlesen

Quellen: Dicht am Fisch – Stintangeln: Ausrüstung und Techniksimfisch.de – Angeln auf Stint: Fangsaison, Angelplätze, KöderBehörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft Hamburg – Schutz der Fische / AngelrechtLand Schleswig-Holstein – Mindestmaße und Schonzeiten, Binnen- und Küstenfischereiverordnung